
Auch wenn es mir wirklich, wirklich leid tut für jeden Sportler, dem ich seine Mühe, seine Arbeit und seine Hoffnungen anerkenne und seine Wut über diese nun so kontrovers betrachteten, von Blut und Gewalt beschmutzten Spiele nachvollziehen kann, so denke ich, dass man nie hätte China als Austragungsort hätte wählen dürfen. So wie ich auch sonst oft denke dass man all das Geld, all die wirtschaftlichen Verbindungen und somit die Verantwortung für die menschenverachtenden Handlungen dieses Landes nie hätte annehmen dürfen. Jeder von uns profitiert so von dem Leiden unzähliger Ungenannter.
Ich bestimmt auch. Aber dessen bin ich mir bewußt und ich mag nicht noch zusätzlich bei diesen Spielen von dem Terror gegen Tibet, Falun Gong, Journalisten, Studenten und so unermesslich Viele die Augen verschliessen und mich freuen.
Wie mahnte schon zu den unter Hitler in München ausgetragenen Olympischen Spielen 1936 der Schriftsteller Heinrich Mann:
"Ein Regime, das sich stützt auf Zwangsarbeit und Massenversklavung; ein Regime, das den Krieg vorbereitet und nur durch verlogene Propaganda existiert, wie soll ein solches Regime den friedlichen Sport und freiheitlichen Sportler respektieren?"
ABER.
Im Grunde kann ich auch hier nur wieder eines meiner liebsten Lebensphilosophien in den Raum werfen, auch wenn diese in diesem Zusammenhang etwas unangemessenund flapsig klingen mag:
"Bekommst du Zitronen, mach Limonade daraus."
Wann hat sich die breite, sonst politisch nicht sonderlich erregte oder engagierte Öffentlichkeit derart mit den Verwerfungen Chinas befasst? Wann konnte man derart solidarisch gegen jemanden sein seit die Amerikaner in den Irak einmaschiert sind? Vermutlich freut es die USA nun vom durch die öffentlichen Wahrnehmung errichteten Podest des Arschloch-Staates Nummer eins abgehängt worden zu sein?
Auch wenn ich nach wie vor denke, dass die Wirtschaft Blut an den Händen hat so weiß auch ich, dass ich ebenfalls damit vollgespritzt bin, ich und jeder der gern günstige Produkte kauft deren Einzelteile bestimmt nicht "Made in Europe" sind.
Und ich sehe dass zum ersten Mal die halbe Welt über China zu SPRECHEN schein und nicht nur verschämt angesichts Unterdrückungen und politischem Terror verschämt in eine andere Richtung schaut.
Und nun wird das Land Journalisten in das Land lassen MÜSSEN und so wie ich die schlagzeilengierige Presse kenne, werden sie nur zu gerne bestätigt wissen, was wir ohnehin glauben: das China wächst weil die oberste Führung seine Seele und sein Herz verkauft hat und den Einzelnen nicht im Geringsten achtet.
Und es kann gar nicht genug in babyblaue Trainingsanzüge gehüllte Olympia-Kombattanten geben um alle Kritik zu unterdrücken, sei es ausserhalb im Glanz der Olympia-Fackel oder im Land selbst.
Vielleicht ist es deshalb sehr gut dass die Olympiade nun in China stattfindet.
Vielleicht war es allerhöchste Zeit, den Sport, der ja nach den Statuten des olympischen Komitees unpolitisch aber friedensstiftend (?) zu sein hat, für eine Veränderung der Welt zum besseren zu nutzen.
Vielleicht dann beim nächsten mal Nordkorea, Somalia, der Iran und Russland um dann natürlich ganz schnell wieder in Amerika zu landen, am besten direkt auf den Sportplätzen des Weissen Hauses.
Aber vielleicht sollten wir vorher an uns selber arbeiten, denn jegliche Unterdrückung auf der Welt und all die nun eskalierende Kämpfe um erschwingliche Nahrung, um Wasser und Lebensraum finden ihre Ursachen nicht in der Fremde, unabhängig von uns.
Wir sind nicht nur Zuschauer eines tragischen Spektakels.
Wir sind Akteure und Täter, durch die Art wie wir leben und es wird Zeit, einzelnen Stimmen Gewicht zu geben und den klugen, betroffenen Reden endlich einmal Taten folgen zu lassen.
Zuerst muss hingesehen werden und dann erkannt.
Und dann muss geholfen werden. Nicht nur in China. Und nicht von irgendwem.
Von uns.