Donnerstag, 23. August 2007

Der WUNDERSCHÖNE Nils und Sybill Tag




Ich hatte ja schon befürchtet, dass die gruselige, so entsetzlich unechte und emotionslose Transformation von Gülcan zur verheirateten Frau Kamps mein Bild von Hochzeiten auf Dauer verschwurbelt und stark negativ getrübt hätte, ABER, dank Nils und Sybill ist dieses Sakrament nun wieder mit Glanz und Liebe in meinem Kopf gefüllt.

Nils kenne ich seit der ersten Klasse, wir saßen für ungefähr eine Stunde zusammen in der 1a der Grundschule Kuhstrasse, bis er Sebastian Schmidt die Vorderzähne (Michzähne!) ausschlug die darauf in seinen Pfefferminztee fielen.
Nils wurde in die 1b abgeschoben und wir teilten erst ab der 5. Klasse wieder die selben Lehrer. Das dann aber bis in die Oberstufe.

Sybill wurde mir natürlich von Nils vorgestellt und ich erinnere mich noch ganz genau an unsere erste Begegnung. Wir waren in der besten Pizzeria der mir bekannten Welt verabredet, der Fabrica Italiana in Langenberg, und Sybill betrat hinter Nils den Raum. Sie war wunderschön, so wie sie es heute natürlich auch ist, aber damals, als ich sie noch nicht kannte, war sie nur wunderschön: groß, die blonden Haare wunderschön geschnitten und ihre großen Augen mit den langen Wimpern, die ernst in den Raum blickten.
Oh je, hab ich gedacht, das kann ja ein lustiger Abend werden mit so einer schön anzusehenden Puppe. Die vermutlich kaum ein Wort sagen wird.
Aber dann kam die Kellnerin und Sybill bestellte mit einem Lächeln ein Malzbier. Und ich hatte sie sofort lieb, denn ein Mädchen das Malzbier bestellt wie andere Apfelschorle, das muss ein tolles Mädchen sein.
Und das ist Sybill und ich bin dem Nils soooo dankbar dass ich sie jetzt kenne und zur Freundin habe.
Denn genau wie Nils ist Sybill ein durchweg aufrichtiger, ehrlicher und offener Mensch und darüber hinaus sind beide ungemein unterhaltsam, witzig und schlagfertig. Und gute Menschen mit großen Herzen, in die sie einen reinlassen wenn man es sich verdient.

Und darum hätte ich weinen können vor Glück, als Nils mir letztes Jahr bei unserem Besuch in Bremen das rosa Kleid gezeigt hat, das bei den beiden im Schlafzimmer hing.
"Sybills Hochzeitskleid" hat er gesagt und seine Augen haben geglänzt.

Und jetzt war es so weit.
Am 17. August, einem Freitag, fuhren mein chouchou und ich nach Bremen, aufgeregt und glücklich angesichts der Aussicht auf den Tag.
Das war meine erste "richtige" Hochzeit, also mit allem drum und dran und viel Liebe und Emotionen und Kleid und Feier und Brautstrauss und und und.
Und es war eine so unglaublich schöne und perfekte Hochzeit, dass ich immer, wenn ich jetzt daran denke, unweigerlich lächeln muss.

Wir waren etwas spät dran, aufgrund all der Staus und Baustellen um Bremen herum und mussten ja vor der standesamtlichen Trauung noch im Bremer Seemannsheim einchecken und in unsere feierlichen Kleidchen schlüpfen. Und dann haben wir auch mit quietschenden Reifen auf dem Parkplatz vom Gutshof geparkt, der der Stadt Bremen als ungemein kolossales Standesamt und Hochzeitsfeier-Ort dient.
Und während ich mit meinen Absätzen rennend auf dem jahrhundertealtem Kopfsteinpflaster balancierte fühlte ich mich unweigerlich an den wunderschönen Film "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" erinnert, dieser heiteren, herzergreifenden Komödie mit britischem Charm und Hugh Grant darin.

Und dieses Gefühl verstärkte sich, als wir auf die ersten Gäste trafen, von denen ich ja, bis auf Nils Eltern, niemanden kannte. Auf die Frage ob alles schon vorbei sei, ob dies überhaupt die Hochzeit von Nils und Sybill sei, lächelten sie achselzuckend mit der Bemerkung dass sie kein Deutsch verstünden.
Dann musste es die richtige Hochzeit sein, der wer würde schon so viele Engländer, Iren und Amerikaner einladen wie Seemann Nils und Englischlehrerin Sybill?

Und dann waren sie auch da, die beiden, ganz ruhig und entspannt, herzlich wie immer und: wunderschön.
Sybills rosanes Kleid entbehrte JEGLICHER Kitschigkeit, es saß so perfekt als hätte man den edel und nicht billig aussehenden Stoff um ihren Körper herum geschneidert, dazu eine schöne schlichte Kette, ein weißer Schal und eine WUNDERSCHÖNE kleine rosa Tasche mit Pailetten in der GENAU gleichen Farbe wie das Kleid. Wenn ich jemeals eine solch wunderschöne Tasche bekommen sollte würde ich sie wie einen Schatz wohl immer bei mir tragen, in einer meiner anderen, etwas größeren all meinen Kram verbergenden Taschen drin.

Und die Krönung dazu: ihre wunderschöne neue Kurzhaar-Frisur, die großen, strahlenden Augen und: die feinen Puma Turnschuhe! Eine grandiose Idee, die ich bei ähnlicher Geleghenheit auch umsetzen würde.
Nils Anzug war das perfekt abgestimmte Gegenstück: weiß mit rosa Hemd dazu und die fast gleichen Schuhe in weiß.
Ich hab ein Foto angehängt, aber in Bewegung, an diesem wunderschönen Nachmittag vor diesem schönen Bauernhaus mit seinem englischen Garten und all den englisch sprechenden Gästen war es NOCH bezaubernder. Und farbiger, irgendwie leuchtet das rosa auf den Bildern überhaupt nicht.
Ich hätte jedenfalls weinen können weil alles so schön aussah und so schön WAR.

Und dann die Trauung! Der Standesbeamter nahm mit seinem herzlichen hanseatischen Charme jegliche Scheu angesichts des feierlichen Anlasses und vollzog die Trauung in aller Ruhe mit übersetzender Hilfe von Nils texanischem Freund Tyler zweisprachig ohne jeglichen Anflug von Langatmigkeit.
Den Abschluss bildete ein Ritual bei dem die Brautleute mitsamt den Trauzeugen Schnaps von einem Löffel runterkippen.

Damit war der offizielle Teil des Tages beendet und es gab umgehend Sekt, Orangensaft und die Gelegenheit, das frisch vermählte Paar zu beglückwünschen und mit Reis und Blumen zu bewerfen.
Der Brautstrauss wurde zu meiner großen Enttäuschung nicht geworfen aber ich glaube, meinen chouchou hat es etwas erleichtert.

Und wer bis dahin noch nicht eine Träne verloren hat, tat es dann anschliessend, als Sybills Freundin und Trauzeugin Tina drei WUNDERSCHÖNE Lieder sang, solche Lieder die eben in Filmen wie "Vier Hochzeiten und ein Todesfall" JEDEN zum Schluchzen bringen.
Hätte die Hochzeit hier geendet, ich wäre mit Glück im Herzen nach Hause gefahren aber es ging ja weiter und wurde noch besser!!!

Im sich leider durch den Bremer Verkehr auflösenden Autokorso ging es zur Stromburg, einem feinen kleinen Lokal in Bremen, direkt am Fluss, dessen Namen mir zu meiner geographischen Schande gerade nicht einfällt....
Dort gab es dann Rot- und Weisswein und ich glaube, ich habe selten in meinem Leben so gerne Wein getrunken. Das muss an der ganzen Atmosphäre gelegen haben, denn ich habe mich auch selten so unglaublich wohl gefühlt in der Umgebung mir bis dahin gänzlich Unbekannter.
Denn diese Unbekannten behielten diesen Status nur für den Bruchteil eines Momentes, denn jeder fragte gleichen jeden über seine Tätigkeit im Leben, die Verbindung zu Nils und Sybill, seiner Ansicht zur Hochzeit und zu allerlei feinen Themen im Allgemeinen. Vermutlich war jeder so wie ich mit Glück gefüllt dass man es einfach durch nette Konversationen aus sich raussprudeln lassen musste.

Und so unterhielten wir uns prächtig, und besonders die Konversation auf englisch machte unglaublichen Spaß und das Abendessen mit Tischkärtchen begann heiter und gar nicht steif.
Mein chouchou musste sich das Tischkärtchen natürlich gleich an die Stirn pappen und unseren unmittelbaren Nachbarn mit dem bereitgelegten Einwegkameras auflauern, aber das war wohl seine Art mit so viel Wohlbehagen umzugehen. Denn es war einfach grandios, wie viel gelacht wurde, wie schön alles war, festlich und doch alles andere als konservativ oder spiessig, nichts war gestellt oder eben steif, alles war einfach schön und herzlich und gut gemeint und perfekt gemacht.

Das Essen war dann auch kolossal, auch für mich als Vegetarierin. Mein chouchou bekam die zwei großen Jakobsmuscheln der Vorspeise und ich genoss den grandiose süß-saure Linsensalat mit frischen Ciabatta.
Ach ja, vorher gab es eine scharfe, delikate Gurkensuppe, die kalt war und gar nicht fad gurkig sondern überaschend würzig schmeckte.
Und der Hauptgang bestand aus in Gemüse-Crepès eingewickeltem Lammfleisch mit Tomaten-Couscous und afrikanischen Bohnen und Frühlingszwiebeln und war unwahrscheinlich lecker. Dummerweise hat mein chouchou mit guter Absicht die Kellnerin darauf hingewiesen, dass ich kein Fleisch esse und da gab es für mich leider nicht das gleiche Gericht nur eben ohne Lamm sondern Trüffel Tortellini, die mir leider gar nicht schmeckten, was aber daran liegt, dass ich so cremige Soßen gar nicht mag. Aber mein guter chouchou gab mir einfach seinen Teller und aß die Nudeln und das Lamm und alles war gut.
Wie auch der Nachtisch superklasse war: ein Glas mit Panna-Cotta, unten Natur, darüber Erdbeer und dann eine Schicht grünes Vanille-Gelee: superschön anzusehen und ungemein lecker.

Und dazu, viel Wein und viel Lachen, jeder Gang abgeschlossen von kurzweiligen Vorträgen oder Darbietungen an das Brautpaar, das strahlte und lachte und einfach glücklich aussah.
Wie jeder glaube ich. Das perfekte Essen, die perfekte Unterhaltung, die perfekte Atmosphäre.

Nach dem Essen gab es Musik, perfekt zusammen gestellt von einem DJ und ich glaube, dass jeder getanzt hat an dem Abend, tanzen MUSSTE, einfach weil man sich so wohl gefühlt hat.
Das war ein perfekter Tag, nichts hätte besser laufen oder passieren können, der ganze Tag war einer dieser seltenen Flows für die man sonst zu angespannt oder zu nervös oder was auch immer ist.
Und wäre meinem chouchou nicht zu vorgerückter Stunde schlecht geworden (er verdächtigt eine Unverträglichkeit für vier große Jakobsmuscheln auf einmal, ich den Espresso zwischen Rotwein und Becks), ich hätte auf meinen Absatzschuhen noch bis zum Morgen getanzt und gelächelt.

Aber so war es auch gut, zusammen in der Seemannsmission und am nächsten Morgen dafür früh wach und noch voller Energie für einen Kaffee in Bremen, Schlendern über den Trödelmarkt am Fluss und einem obligatorischen Reiben am Esel der Bremer Stadtmusikanten.

Tausend Dank lieber Nils und liebe Sybill, dass ihr uns eingeladen und an eurem Tag und eurem Glück habt teilhaben lassen.
Auch wenn ich glaube, dass chouchou und ich auch im Alltag ganz viel Glück und Liebe empfinden, so ist es immer schön, wenn noch etwas zusätzlich von anderen auf einen abstrahlt und einem zeigt, wie schön das Leben ist, wenn man die Liebe sieht und lebt und das Leben liebt.

Montag, 13. August 2007

Tattoos, Trödel und die Rolling Stones

Der gestrige Sonntag war mal wieder ein PERFEKTER Sommer-Sonntag!
Nach der nicht ganz so späten Rückkehr von der wirklich zauberhaften Gartenparty am Samstag Abend schön lange geschlafen und dann beim Aufwachen über die Wiederholung von Gülcans Alptraumhochzeit amüsiert und sie für so viel schlecht gemachten Medienhype bemittleidet.
Bordsteinschwalbe für Einschaltquoten und alles auf Kosten ihrer naiven Beschränktheit. Naja, Hauptsache es glitzert und das ist ja alles was sie offensichtlich braucht.

Nach dem entspannten Aufstehen, frühstücken und Duschen sind wir dann so gegen Mittag zum Großmarkt gelatscht um über den riiiiesigen Tödelmarkt zu schlendern.

Und diesmal hab ich auch wunderbare Schätze gefunden und ersteigert: ein WIRKLICH reizendes altes Babypferd von Steiff was so neu und unbenutzt und gleichzeitig eben alt wegen seines klassischen Schnittmusters und so aussieht und ganz lieb lächelt und nun auf unserem Fernseher steht mit einem Spawn aus der Hölle (ohne Umhang, daher in all seiner grausigen Verbranntheit mit Flügeln und Fledermäusen darauf...) auf dem Rücken. Das tut dem Spawn ganz gut, so ein nettes unschuldiges Pferdchen an seiner Seite.
Eigentlich bin ich ja immer noch auf der Suche nach Regina Regenbogens Pferd Sternschnuppe aber das hab ich immer noch nicht gefunden.T

Ach, und dann eine ganz reizende Tasche von KitschKitchen, eine feine kleine bunte Sommertasche aus alten Wachstischdecken und festem Leder. GRANDIOS. Musste meinem chouchou immer wieder zeigen wie toll sie aussieht wenn sie an meiner Hand baumelt.
Ud das beste: Beides für jeweils einen Euro!

Dafür hab ich dann noch 34 lustige Taschenbücher gekauft und dafür wahnwitzige 32 Euro ausgeben. Aber für Gute Laune ist das kein zu hoher Preis und unser Bücherregal füllt sich immer mehr mit dekorativ bebilderten Buchrücken.

Und dann hab ich noch Hennes den Tätowiermann getroffen für den ich ein wenig schwärme, aber nicht wie man jetzt denkt denn in meinem Kopf und in meinem Herzen ist es immer noch und bestimmt für immer ganz wunderbar und aufregend voll mit meinem chouchou aber wenn man ihn beobachtet wie er TOTAL tätowiert mit Shorts, Chucks und hochgezogenen Socken und lässig Popcorn mampfend neben seinem (das vermute ich) kleinen, langhaarigen sohn über den Trödelmarkt spaziert und später in seinem coolen AIR FRANCE citroen Kastenwagen davon fährt dann finde ich das schon sehr cool.
Ich will auch so einen Kastenwagen fahren und ich weiß dass mein chouchou später auch mit unserem kleinen coolen Sohn Popcorn mampfend über den Trödelmarkt schlendern wird. Und dann vielleicht auch ein bisschen mehr tätowiert ist...
Und gerade bin ich sehr in Tätowierstimmung da ich das letzte mir noch unbekannte John Irving Buch gelesen hab.
Sobald wir aus Kuba zurück sind mach ich Kassensturz und guck dass ich schnell noch mehr schöne Schmetterlinge bekomme....

Nach dem Trödelmarkt sind wir nach Hause geschlurft, was fast eine Qual war da all die lustigen Taschenbücher ganz unlustig mit ihrem Gewicht die Tüten zerrissen haben und wir sie unbequem vor uns her tragen mussten. Bin ich froh gewesen dass mein chouchou mich das nicht hat allein schleppen lassen!

Da war es Zuhause dann schon vier Uhr, wir haben was getrunken und gegessen und Fernsehen geguckt (Hartz4 Familie im verregneten Urlaub in Tunesien...) und um Fünf hab ich mir die Sonne draussen angeguckt und meinen chouchou gefragt, ob wir nicht noch schnell zur Kö fahren um im Sevens Eis kaufen (das BESTE in Düsselhauf, egal was all diese retrofixierten Unbehaum-Missionare erzählen...) und ein halbes Stündchen den Fluss im Kö-Graben zu geniessen.

Also flugs in den Smart, auf der Berliner Allee geparkt und Eis gekauft (eine RIESEN Kugel für 70 cent! Da schrei mal jemand teures Düsseldorf!) und dann rumgeschlendert, die Kö links hoch.
Und da kommen wir am Interconti vorbei, dem "besten Hotel am Platze" wie mein chouchou mit seiner mich immer wieder begeisternden Wortakrobatik aufmerksam macht. Er guckt so gerne all die Autos an, die man sonst nur in tollen Magazinen oder eben auf Gülcans Hochzeit sieht.

Und da stehen ein paar Leute und wir überlegen gerade noch auf wen die warten und da kommen auf einmal drei silberne Mini-Vans und die Rolling Stones steigen aus, winken und verschwinden im Hotel.
Sowas!
ICH HAB DEN VATER VON JACK SPARROW GESEHEN!!! Ja, das klingt doof jetzt aber ich bin ein BEATLES Freund und kenn die Stones so gar nicht angemessen aber Keith Richards war ja so cool im letzten Pirates of the Carribbean Film...
Egal.
Ist das nicht geil? Da willste nur ein Eis und siehst die Rolling Stones.
Ich liebe Düsseldorf.
Und Sonntage.
Mit Trödelmarkt, Eis und meinen chouchou.