
Ja, ich glaube, es wird Zeit, ein klein wenig zu schreiben. Dabei ist das, was geschrieben werden müsste kaum zu beschreiben.
Kuba.
Chouchou und ich waren auf/in Kuba und zumindest ich habe mich in dieses Land verliebt dass so unglaublich anders ist, je mehr man sich damit beschäftigt, in seine Geschichte eintaucht, seine Gegenwart, in die Mentalitäten der Kubaner.
Ein Land das wie eine Zeitkapsel wirkt, gestrandet in unserer Zeit, unserer globalisierten Welt. Ein Land das versucht seine Bewohner davon zu überzeugen dass das Leben das sie führen so das Richtige ist, dass man sich um sie sorgen wird, unter der Prämisse, dass sie wie wohlerzogene Kinder den väterlichen Regenten gehorchen und glauben.
Aber das soll kein politischer Diskurs werden. Ich finde vieles ganz ganz toll in Kuba und an Kuba, den Zusammenhalt untereinander, das Kümmern: freie Wohnungen, gute Schulbildung, Nahrung und eine gute Krankenversorgung.
Aber ich könnte nicht akzeptieren was mir so kostbar ist und den Kubanern verwehrt ist: das Recht mir meine eigenen Gedanken aufgrund selbst gesuchter Informationen zu bilden, das Recht das Land zu verlassen oder gar zu sagen was man denkt, zu Lesen was man möchte, zu Schreiben.
Kuba ist irgendwie wie die in die Südsee katapultierte DDR... ein Staat der sich ideologisch im Recht glaubt, damit ziemlich allein steht und darum an allen Fronten kämpft um sich zu erhalten, nach aussen hin gegen mächtige Feinde wie die USA, nach Innen hin gegen Zweifler und Unzufriedene.
Ein Staat der es gut meint und dabei zuweilen wie ein unterdrückerisches Regime auftritt.
Viele sagen, wäre das Wetter nicht so gut auf Kuba und die Menschen generell weniger lebensfroh und familienorientiert, die Insel hätte bereits das gleiche Schicksal ereilt wie die DDR.
Vielleicht.
Ich habe die DDR nicht kennen gelernt sondern nur sehr viel darüber gelesen.
Und auch Kuba habe ich nur in einem kurzen Zeitraum als Tourist erleben dürfen, darum maße ich mir bestimmt kein aussagekräftiges Bild an.
Ich fand und finde Kuba ganz toll, spannend und zum zerreissen ambivalent: schön, sonnig, freundlich, voller Musik und Farben. Und dann träge, depressiv, wartend und ausharrend in einer Mangelwirtschaft mit der Ahnung, dass überall ausserhalb der Grenzen das Leben viel...glänzender ist.
Der Gedanke, zu wissen dass man ausserhalb all das bekommt von dem man bisher nur gehört hat, was man aber immer gerne einmal anfassen wollte, der Gedanke dass man selbst nur das täglich Selbe bekommt, eine bescheidenes Spektrum an Konsumgütern und Lebensmitteln, ist traurig.
Klar sagen viele dass das Leben hier viel härter ist, gerade weil man so viele Wahlmöglichkeiten hat, weil man hier so wahnsinnig ehrgeizig und tough sein muss, weil die Gesellschaft so hohe Ansprüche stellt und sich so brutalen Zwängen unterlegt.
Ich sage das nicht aber auch ich sehe das Schöne an einem Leben in einfacher Bescheidenheit, einem Leben mit der Natur und mit den Mitmenschen, der Familie. Wo Geld nicht zählt, wo man sich hilft und bekommt was man braucht aber eben nicht was man will, einfach weil man nicht mehr will als das was da und nötig ist.
ABER:
Die Kubaner wissen nicht wie das Leben hier ist. Weil sie es nicht kennen lernen dürfen. Weil man ihnen verwehrt sich ihre eigene Meinung zu bilden, vermutlich um sie nicht in Versuchung zu führen. Aber tut man das nicht gerade mit der aufgezwungenen Abschottung? Und so glauben die Kubaner den Versprechen der affirmativen Globalisten, der Werbung, dem Kapital.
Und sind unglücklich in ihrem bequemen Käfig, dem sie einsperrenden Elternhaus der Regierung.
Und das kann ich nicht akzeptieren, denn jeder sollte seines Glückes Schmied sein, soweit es die Umstände zu lassen und ich denke wirklich, dass wir hier sehr große Freiräume haben, auch wenn wir jammern und meckern, wir wären alle Arbeitssklaven. Blödsinn, sage ich. Aber das ist meine eigene Meinung.
Und nun bin ich doch abgedriftet, ich wollte doch eigentlich nur knapp vom Urlaub auf Kuba erzählen, für den chouchou und ich so lange gearbeitet und gespart haben.
Ein ganz toller Urlaub war das, auch wenn ich vielleicht doch lieber eine größere Rundreise über die Insel gemacht hätte, anstatt die meiste Zeit in einem 4 Sterne All Inklusive Paradies am schneeweißen Puderzuckersandstrand zu erholen.
Aber das war auch einmal eine Erfahrung: absolute Entspannung und gnadenloser Müßiggang, der Genuss von Zeit, Sonne und dem unbezahlbaren Luxus, sich so losgelöst von allem zu fühlen, zu tun was man möchte, nichts zu tun, und das in der Postkartenidylle des Paradieses.
Die ersten drei Tage waren für Havana reserviert, einer unglaublichen Stadt.
Die Gebäude erscheinen so unwirklich, sieht man doch was für imposante Paläste und Herrenhäuser sie einmal gewesen sein müssen, bevor die Amerikaner sie von der Welt und dem Geld abschnitten. Und so sind sie nun dem Verfall ausgesetzt, beschleunigt durch die salzige und feuchte Meeresluft.
Es ist traurig zu sehen wie man versucht an allen Ecken und Kanten den Verfall aufzuhalten und zurück zu drängen, mit viel Liebe und Einsatz, aber leider ohne finanzielle Hilfe.
Es ist unglaublich, fast nur Oldtimer über die Strassen kreuzen zu sehen, bunte, liebevoll aufpolierte Schiffe aus den 40er und 50er Jahren, von Aussen wie neu, von innen wohl ehr mit Rasenmäherequipment motorisiert.
Dazwischen Pferdekutschen, Fahrradrikschas und die lustigen gelben Cocotaxis, motorisiert mit zwei Sitzen für Gäste in einer gelben Kugel.
Chouchou und ich haben mit den anderen Reisegruppenmitgliedern eine Stadtführung gemacht, eine kleine Rumfabrik besucht, einen Tabakladen. Und dann mit ganz lieb gewonnenen Menschen die Geburtsstätte des berühmten Havana Club Rums besucht, eine grandiose Führung mitgemacht und in der hauseigenen Bar viele Cocktails getrunken, natürlich zu grandioser kubanischer Live Musik.
Wir haben ein kleines Café besucht in dem Schokolade selbst hergestellt wird und auch geschmolzen mit einem Keks für ungefähr 40 Cent verkauft wird, wir sind auf einem der Kunstmärkte von dem berühmten Tropenregen überrascht und klitschnass geworden, was bei der warmen Außentemperatur aber fast unbedenklich ist.
Drei Tage Havana und ich will unbedingt noch einmal zurück, so sehr wie ich auch die anderen großen geschichtsträchtigen Orte besuchen will: Santiago de Cuba, Baracoa, Trinidad, Oriente und und und.
Kuba ist so facettenreich, so spannend und ich hoffe, irgendwann noch einmal wieder kommen zu können.
Nach Havana kam dann der zweite, ganz andere Teil des Urlaubs: Luxus und Zeit, Strand und Relaxen.
Mein erster All Inklusive Urlaub und ich habe es schätzen gelernt. Alles auszuprobieren. Auch wenn ich bereits in den ersten fünf Tagen mehr Rum (auf verschiedene Cocktails verteilt) getrunken habe wie in meinem ganzen Leben zusammen nicht.
Es gab was man sich wünschen konnte, serviert mit einer Freundlichkeit wie ich sie bisher nur in Thailand erfahren habe. Mit dem Unterschied dass die Kubaner stolz und selbstbewusst sind den Touristen gegenüber, Scherze machen und "Companeros" sind.
Das das Essen sich nach einer Woche immer mehr glich ist verständlich und nicht änderbar: Kuba ist abgeschnitten vom alles verfügbar machenden Warenverkehr, so muss alles, was zu bekommen ist, ohnehin schon an die Touristenorte geschafft werden um die anspruchsvolle Haupteinnahmequelle des Landes zu besänftigen und vielleicht zum Wiederkommen zu bewegen.
Ich fand das Essen ganz toll, und dass es nur ein begrenztes Sortiment an Obst gab, damit konnte ich gut lebe, umso mehr hab ich mich immer über etwas besonderes gefreut: Ananas oder gar Kaktusfeigen, was ich mir ja beides aufgrund des Preises zuhause nie kaufe.
Dafür war der gegrillte Fisch immer fangfrisch und das Rindfleisch unglaublich gut, hat der chouchou gesagt.
Unsere Tage bestanden aus frühstücken, am Strand liegen, Mittag essen, am Strand liegen, Cocktails trinken (am Strand liegend), Abendessen, Cocktails trinken, Abendshow angucken, schlafen. UNGEFÄHR. Und es war NICHT langweilig. Denn es ist einfach alles so schön gewesen, das Hotel, die Poolanlage, die kleinen Eidechsen die wie Dackel über die Wege flitzten, der wunderschöne Strand, das Meer, die Wolken und Stürme, die Sonne und das Leben im Urlaub auf Kuba.
Ein paar kleinere Ausflüge haben wir auch gemacht und einen großen:
Katamaran fahren mit Schnorcheln, Delfinen streicheln und anschliessendem Langustenessen auf einer einsamen Insel. Und mein Chouchou ist auf einem alten klapprigen Pferd gallopiert! Und wir haben lauter kleine Einsiedlerkrebse auf der Insel gefunden! Und und und...
GIGANTISCH.
Und weil alles zu großartig war um es mit schnöden Worten zu beschreiben, zu pittoresk und malerisch, darum verweise ich hier freundlich auf das Cuba Fotoalbum auf meiner FLICKR Seite.
http://www.flickr.com/photos/octopussysgarten
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